Was bedeutet zuckerfrei eigentlich? Was heißt „zuckerfreie Ernährung“? Was bedeuten Begriffe wie „zuckerfrei“, „zuckerarm“, „zuckerreduziert“, „ohne Zucker“, „ohne Zuckerzusatz“ etc.? Wie sieht es lebensmittelrechtlich aus und ist zuckerfrei automatisch gleich gesund? Ganz schön verwirrend manchmal, oder?

Aber keine Sorge – dieser Artikel bringt endlich Licht ins Dunkle!

Du erfährst

  • was zuckerfrei eigentlich chemisch gesehen bedeutet
  • was zuckerfrei lebensmittelrechtlich bedeutet
  • was es mit all den Begriffen wie „zuckerarm“, „zuckerreduziert“ etc. auf sich hat
  • wie ich es als Ernährungswissenschaftlerin mit dem Begriff „zuckerfrei“ handhabe und
  • ob „zuckerfrei“ automatisch immer gesund ist

Außerdem bekommst du noch viele weitere hilfreiche Infos zum Thema

Was bedeutet zuckerfrei Bedeutung Definition

Was bedeutet zuckerfrei eigentlich chemisch gesehen?

Zucker gehört zu den Kohlenhydraten. Sehen wir uns aber erst einmal an, welche Arten von Kohlenhydraten es überhaupt gibt:

Kohlenhydrate

  • Monosaccharide (Einfachzucker): Kohlenhydrate sind aus vielen Monosacchariden aufgebaut. Dazu zählen z.B. Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Galaktose. Einfachzucker müssen bei der Verdauung nicht mehr aufgespalten werden, sondern können direkt in den Blutkreislauf absorbiert werden.
  • Disaccharide (Zweifachzucker): Disaccharide bestehen aus zwei Monosacchariden. Beispielsweise setzt sich Saccharose (Haushaltszucker) aus Fructose und Glucose zusammen. Zweifachzucker müssen im Verdauungstrakt zunächst noch in die beiden Bestandteile aufgespalten werden, die dann absorbiert werden können.
  • Polysaccharide und Oligosaccharide (Mehrfachzucker): Polysaccharide bestehen aus vielen Einfachzuckern, die zu einer langen Struktur aneinandergereiht sind. Dazu zählt z.B. Stärke. Die Aufspaltung in die einzelnen Bestandteile dauert natürlich länger, als bei Zweifachzuckern.

Bei Mono- und Disacchariden handelt es sich chemisch gesehen um Zucker. D.h. der Definition nach gehören Einfach- und Zweifachzucker zum Zucker, während längerkettige Kohlenhydrate diesen nicht zugerechnet werden.

Zuckerfrei im chemischen Kontext bzw. der grundlegenden Definition nach bedeutet also: ohne Einfachzucker und ohne Zweifachzucker.

Was bedeutet zuckerfrei Definition Monosaccharide Kohlenhydrate chemisch

Die Bezeichnung „zuckerfrei“ auf Lebensmitteln (Health Claims)

Wie ist das aber nun bei Lebensmitteln bzw. der Aufschrift auf Verpackungen? Bestimmt hast du schon mal solche Aussagen wie „ohne Zuckerzusatz“, „zuckerreduziert“ etc. gelesen. Sehen wir uns einmal an, was es damit auf sich hat.

Nährwertbezogene Angaben auf Lebensmitteletiketten dürfen nämlich nicht einfach willkürlich getätigt werden. Sie sind in der sogenannten Health Claims Verordnung (EUVerordnung 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben) geregelt. Nährwertbezogene Aussagen (unter die auch sämtliche Aussagen rund um „Zucker“ bzw. „zuckerfrei“ fallen) dürfen nur gemacht werden, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt sind.

Nährwertbezogene Aussagen

  • zuckerfrei: das Produkt darf maximal 0,5g Zucker pro 100g bzw. 100ml enthalten
  • zuckerarm: das Produkt darf max. 5g Zucker pro 100g (bei festen Lebensmitteln) bzw. 2,5g Zucker pro 100ml (bei flüssigen Lebensmitteln) enthalten
  • ohne Zuckerzusatz: das Produkt darf keine zugesetzten Mono- oder Disaccharide enthalten. Enthält ein Lebensmittel von Natur aus Zucker, sollte das Etikett mit dem Hinweis „Enthält von Natur aus Zucker) versetzt werden
  • reduzierter Zucker-Anteil, zuckerreduziert: mindestens 30% Reduzierung gegenüber einem vergleichbaren Produkt

Beispiele

Sehen wir uns einmal ein paar Beispiele an:

Ein zuckerfreier Kaugummi enthält die folgenden Zutaten:

Süssungsmittel Sorbit, Kaumasse, Süssungsmittel Xylit, Maltit; Feuchthaltemittel Glycerin, Füllstoff Calciumphosphate, Aromen, Süssungsmittel Mannit, Maltitsirup, Aspartam-Acesulfamsalz, Aspartam, Acesulfam K; Antioxidationsmittel BHA, Farbstoff E133, Emulgator SOJALECITHIN.

In diesem Fall ist kein Zucker in Form von Mono- oder Disacchariden enthalten. Stattdessen wird das Produkt mit anderen Süßungsmitteln (und zwar gleich ziemlich vielen 🙂 z.B. Sorbit, Xylit, Mannit, ….) gesüßt. Süßstoffe (z.B. Sucralose, Saccharin) und Zuckeraustauschstoffe (z.B. Xylit, Erythrit) zählen nicht zu den Zuckern und dürfen dementsprechend in als „zuckerfrei“ bezeichneten Lebensmitteln enthalten sein.

Ein Beispiel für ein Produkt ohne Zuckerzusatz wäre ein ungesüßter Fruchtjoghurt. Besteht dieser nur aus Naturjoghurt und beispielsweise Erdbeeren, darf er die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ tragen. Zusätzlich noch der Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“, denn der Joghurt enthält Laktose und die Erdbeeren Fruktose, sodass auch in den Nährwertangaben ein bestimmter Zuckergehalt zu finden ist.

Was bedeutet zuckerfrei? Health Claims nährwertbezogene Aussagen

Zuckerfrei vs. Industriezuckerfrei

Die Aussagen auf Lebensmitteln sind also klar geregelt. Ganz anders sieht es da im Internet und in sozialen Medien aus. Und das meine ich nicht abwertend, sondern ich möchte hier nur für das Thema sensibilisieren. Zuckerfrei wird oft pauschal für alle Rezepte verwendet, die ohne Industriezucker auskommen. Also auch Produkte und Gerichte, die mit Zuckeralternativen gesüßt sind.

Handelt es sich hierbei um Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe, ist das auch korrekt. Ein nur mit Erythrit gesüßter Kuchen kann also problemlos als „zuckerfrei“ bezeichnet werden. Werden aber andere Zuckeralternativen verwendet, stimmt das streng genommen nicht mehr. Ein mit Agavendicksaft gesüßter Kuchen ist also allenfalls „industriezuckerfrei“.

Das heißt aber wiederum nicht automatisch, dass „zuckerfrei“ auch gesünder ist als „industriezuckerfrei“, was uns auch schon zum nächsten Punkt bringt:

Ist zuckerfrei gesund?

Ist zuckerfrei nun also gesund? Die Antwort lautet: Nein, nicht automatisch!

Wie immer kommt es drauf an. „Zuckerfrei“ bedeutet ja zunächst nur, dass keine Mono- oder Disaccharide enthalten sind. Und ob ein Lebensmittel oder Rezept eher als „gesund“ oder „ungesund“ einzustufen ist, hängt ja auch von den übrigen Zutaten ab. Mein Tipp: Nicht nur auf Aussagen wie „zuckerfrei“ etc. achten, sondern die komplette Zutatenliste checken.

Zudem kommt es ja letztendlich auf die gesamte Ernährung an (deswegen bin ich auch sehr vorsichtig damit, ein einzelnes Lebensmittel pauschal als „gesund“ oder „ungesund“ zu bewerten).

Meine Definition von „zuckerfrei“

Wie handhabe ich es denn nun mit meinen Rezepten? Sind die Rezepte auf Dinkel & Beeren zuckerfrei?

Als Ernährungswissenschaftlerin lege ich viel Wert auf die korrekte Bezeichnung. Ich würde deswegen nur Rezepte als zuckerfrei bezeichnen, die dies der Definition entsprechend auch wirklich sind (also z.B. mit Erythrit gesüßt). Rezepte, die alternativ gesüßt sind (z.B. mit Datteln) bezeichne ich dann höchstens als „industriezuckerfrei„.

Viel wichtiger finde ich es allerdings, dass die Rezepte auch wirklich gesund gestaltet sind und der Fokus nicht nur auf dem Zucker liegt. Enthalten meine Rezepte Zuckeralternativen oder sind nur mit Obst gesüßt, ist der Zuckeranteil allgemein auch immer deutlich niedriger gehalten, da weniger Süße oft aus ausreicht. Außerdem lege ich nach Möglichkeit ebenso Wert auf gesunde Fette und viele Ballaststoffe.

Fazit

Der Begriff „Zuckerfrei“ ist chemisch und lebensmittelrechtlich gesehen klar geregelt. Dennoch wird er gerade online oft unterschiedlich ausgelegt – hier lohnt sich ein Blick auf die genaue Bedeutung. Und generell sollte immer ein Rezept als ganzes bewertet werden und nicht nur aufgrund des Zuckergehalts.

Weitere Infos zum Thema „zuckerfrei“

Hier auf Dinkel & Beeren findest du noch viel mehr Wissenswertes rund um das Thema „Zucker“ und „zuckerfrei“:

Ich hoffe, der Artikel konnte etwas Licht ins Dunkle rund um das Thema „zuckerfrei“ bringen.

deine Lisa