Stöbert man heutzutage durch Print- und Online-Medien, so wird das Thema Ernährung meist schwarz-weiß dargestellt. Da stößt man auf absolute und extreme Aussagen, die Ernährungsthemen nur als gut und schlecht, gesund und ungesund darstellen. Schwarz und weiß eben. Diese eine Ernährungsweise, die für jeden die beste sei. Dieses eine Lebensmittel, welches ultra gesund und ein Wundermittel für sämtliche Leiden sei. Dieses andere Lebensmittel, welches komplett ungesund sei und nie wieder verzehrt werden sollte. Dieser eine Lebensmittelbestandteil, der absolut nur positive Auswirkungen hat, den man am besten gleich als Nahrungsergänzungsmittel kaufen sollte. Diese eine Studie, die absolut beweist, dass xyz Krebs verursacht.

Diese Entwicklung finde ich sehr schade. Nein, sie macht mich regelrecht wütend! Und traurig! Denn Ernährung ist nicht schwarz weiß!

Ernährungsweisen sind nicht schwarz-weiß! Jede Ernährungsform hat ihre Vor- und Nachteile. Jeder Mensch ist unterschiedlich, jeder Körper reagiert anders auf bestimmte Ernährungsformen. Hinzu kommt, dass nicht jede Ernährungsform jedem liegt und schmeckt. Vielleicht müssen bestimmte Risikofaktoren oder Krankheiten beachtet werden. Bestimmte Lebensumstände. Zudem kann jede Ernährungsform trotzdem individuell ausgestaltet werden. Klar gibt es bestimmte Tendenzen. Aber ich kann nicht eine Ernährungsform generell verurteilen oder in den Himmel loben.

Beispielsweise kann sich ein Veganer sehr gesund oder sehr ungesund ernähren. Aber auch ein Mischköstler kann sich eher gesund oder eher ungesund ernähren. Glutenfreie Ernährung kann bei manchen Menschen zu einer Besserung von Beschwerden führen, bei anderen wiederum ist sie völlig unnötig und birgt eher das Risiko einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen. Intervallfasten hat viele begeisterte Anhänger gefunden, aber manche Menschen tun sich ohne Frühstück einfach schwer. Jede Ernährungsweise muss individuell betrachtet werden und ist definitiv nicht schwarz weiß!

Lebensmittel sind nicht schwarz-weiß! Die meisten Lebensmittel bestehen aus vielen verschiedenen Inhaltsstoffen und Bestandteilen. Diese können eher wertgebend oder wertmindernd sein. Das beste Beispiel ist wohl die Diskussion um das Kokosöl aus dem letzten Jahr. Ja, Kokosöl enthält sehr viele ungesättigte Fettsäuren. Aber Kokosöl enthält auch weitere Inhaltsstoffe, die positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Deswegen kann ich Kokosöl pauschal weder als Gift noch als Allheilmittel bezeichnen. Auch hier müssen wieder die jeweiligen Lebensumstände beachtet werden und vor allem auch das Maß. Denn wie so oft macht die Dosis das Gift. Ein gelegentlicher Verzehr eines Lebensmittel ist nicht mit dem regelmäßigen, übermäßigem Verzehr gleichzusetzen.

Genauso ist ein einzelner Lebensmittelbestandteil nicht schwarz-weiß! Hier gibt es schon eher klare Tendenzen, aber auch diese sind nicht absolut. Bei bestimmten Erkrankungen oder Risikofaktoren sind manche Lebensmittelbestandteile sicherlich anders zu bewerten, als beim Gesunden. Hinzu kommt die Bioverfügbarkeit, also was vom jeweiligen Lebensmittelbestandteil tatsächlich im Körper ankommt und verwertet werden kann. Und auch hier ist die Dosis wieder entscheidend. Eine übermäßige Supplementierung könnte beispielsweise eher schädlich als gesundheitsförderlich sein.

Und auch ernährungswissenschaftliche Studien sind nicht schwarz-weiß! Ich kann nicht aufgrund einer einzigen Studie eine allgemeingültige Aussage treffen (wie man es leider in den Medien viel zu oft liest). Jeder Studientyp hat seine Vor- und Nachteile. Jede individuelle Studie kann Limitationen aufweisen. Die Studienergebnisse müssen vor diesem Hintergrund interpretiert werden und mit anderen Studienergebnissen verglichen werden. Das heißt nicht, dass ernährungswissenschaftliche Studien nicht verlässlich sind! Im Gegenteil – ich würde sie sogar als einen der wichtigsten Pfeiler der Ernährungswissenschaften bezeichnen. Aber man muss die Ergebnisse eben entsprechend interpretieren und nicht einfach schwarz-weiße Rückschlüsse daraus ziehen.

Das Thema Ernährung ist nicht schwarz-weiß! Ernährung ist vielschichtig. Ernährung ist individuell. Ernährung ist von vielen Faktoren abhängig. Ernährung ist komplex. Ernährung ist bunt.