Kokosöl – gesundes Wundermittel oder giftiges Fett?

Kokosöl – lange gehypt und plötzlich als giftig bezeichnet. Die Debatte um Kokosöl ist zur Zeit allgegenwärtig. Seit der Vortrag von Prof. Michels über Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer auf Youtube veröffentlicht wurde, finden sich zahlreiche Artikel in Zeitungen und auf Blogs. Teils laufen hitzige Diskussionen ab. Während Prof. Michels Kokosöl als gefährlich und giftig bezeichnet, schreiben die Anhänger dem Fett viele wundersame Eigenschaften zu. Es soll gegen Entzündungen helfen, gut für die Verdauung sein, ja sogar bei Krebs kann es förderlich wirken. Aber was stimmt denn nun? Bei all diesen Informationen kommt schnell Unsicherheit auf. Ich finde diese Debatte einerseits sehr faszinierend, da es so viele Facetten und Sichtweisen gibt. Andererseits finde ich es erschreckend, wie einseitig und extrem viele Meinungen sind. Und wie wenig wissenschaftlich fundiert. Deswegen möchte ich hier einen Überblick über Kokosöl geben: Was ist Kokosöl überhaupt? Warum soll es gesund und warum ungesund sein? Wie ist der aktuelle Stand der Forschung?

 

Was ist Kokosöl?

Kokosöl ist ein Pflanzenöl aus den Früchten der Kokospalmen. Da es bei Raumtemperatur fest ist, wird es auch als Kokosfett bezeichnet. Kokosöl wird durch Auspressen aus dem zerkleinerten und getrocknetem Fruchtfleisch (Kopra) der Kokosnuss gewonnen. Das Öl wird zudem noch raffiniert und desodoriert, bevor es als Speisefett verwendet werden kann. Kokosöl wird vor allem zum Anbraten verwendet, es wird aufgrund des niedrigen Schmelzpunktes schnell flüssig. Zudem findet es auch in Kosmetikprodukten Verwendung.

 

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Gesättigte Fettsäuren im Kokosöl

Kokosöl ist zur Zeit heftig in der Kritik, da es einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren enthält. 100g Öl enthalten etwa 91g Fett, davon 86g gesättigte Fettsäuren. Das ist tatsächlich sehr viel. Zum Vergleich: 100g Butter enthalten ca. 50-55g gesättigte Fettsäuren, Olivenöl ca. 14g. Gesättigte Fettsäuren gelten allgemein als „schlecht“, ungesättigte Fettsäuren sind zu bevorzugen. Laut Aussage von Frau Michels verstopfen gesättigte Fettsäuren die „Herzkranzgefäße und führen zum sicheren Herztod“. Die Studienlage zu gesättigten Fettsäuren ist allerdings nicht eindeutig.1 Während viele Studien negative Wirkungen von gesättigten Fettsäuren auf den Cholesterinspiegel und die Herzgesundheit belegen, kann dies in anderen Studien nicht bestätigt werden. Es gibt sogar Studien, die Kokosöl eine schützende Wirkung auf das Herz zuschreiben.2 Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte auszutauschen, da so das Risiko für Herzkrankheiten und Fettwechselstörungen gesenkt werden kann.3 Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse entgegen entkräftigen die „bösen“ gesättigten Fettsäuren, sie seien sogar als wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung anzusehen.4

 

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Die gesundheitsförderlichen Eigenschaften von Kokosöl

Glaubt man den Werbebotschaften und diversen Online-Portalen, so ist Kokosöl das Wundermittel schlechthin. Es wirkt sich positiv auf die Darmflora aus, lindert Entzündungen, wirkt Karies entgegen, liefert mehr Energie und Konzentration, soll gegen Krebs helfen, usw. In ihren Vortrag kritisiert Frau Michels, dass es keine Humanstudien gibt, die diese positiven Eigenschaften von Kokosöl bestätigen. Hier muss zunächst einmal angemerkt werden, dass es natürlich Zell- und Tierstudien zu dem Thema gibt.5 Allerdings ist deren Übertragbarkeit auf den Menschen ja immer fraglich. Trotzdem weisen solche Studienergebnisse in eine bestimmte Richtung.

Entgegen der Aussage aus dem Vortrag gibt es jedoch auch Humanstudien zum Thema Kokosöl.6 Alle Eigenschaften und Studien zu beleuchten, würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Die Kurzversion ist, dass es Studien gibt, die verschiedene positive Wirkungen von Kokosöl bestätigen, aber auch nicht alle. Im Zweifelsfall muss man gezielt nach Studien suchen, die die interessierende Eigenschaft von Kokosöl untersuchen.

 

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Die aktuelle Diskussion um Kokosöl

Die ganze Debatte um Kokosöl ist für mich das beste Beispiel, dass Ernährung eben nicht schwarz – weiß ist. Man kann Lebensmittel meist nicht pauschal als „gut“ oder „schlecht“ einstufen. Es gibt immer viele verschiedene Komponenten bzw. Inhaltsstoffe, die betrachtet werden müssen.  Wenn es wissenschaftliche Studien zu einem Thema gibt, ist die Studienlage nicht immer eindeutig. Außerdem können Studien auch fehlerhaft designt sein oder nur geringe Aussagekraft haben. Zudem ist es schwierig, zwischen all den Meinungen in den Medien verlässliche Informationen herauszufiltern. Überzeugend klingen solche Artikel ja meistens. Deswegen kann ich nur appellieren, sich umfassend zu einem Thema zu informieren, auf die Herkunft der Informationen zu achten und sich selbst eine Meinung zu bilden.

 

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Fazit

Ist Kokosöl nun also giftig oder stattdessen ein gesundes Lebensmittel? Ich würde sagen die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Sicherlich ist das Öl keinesfalls „giftig“. Der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren ist eher negativ zu bewerten. Allerdings sei in Frage gestellt, WIE negativ tatsächlich. Eine gewisse Menge an gesättigten Fettsäuren nimmt der Mensch sowieso zu sich. Meine Meinung: So lange man in Summe noch deutlich mehr ungesättigte Fettsäuren als gesättigte zu sich nimmt, ist alles in Ordnung. Außerdem kommt es wie so oft auf das Maß der Dinge an: Kaum jemand wird Kokosöl literweise konsumieren.

Bezüglich der vielen positiven Eigenschaften von Kokosöl würde ich grundsätzlich vorsichtig vorgehen. Auf keinen Fall würde ich es pauschal als das Wundermittel gegen alles darstellen, wenngleich es doch gegen einzelne Probleme gut helfen kann. Wenn es hilft und gut tut – dann ist doch wunderbar.

Und wie so oft bei Ernährungsthemen kommt es auf das Maß der Dinge an. Kaum jemand wird Kokosöl literweise konsumieren. Ein gelegentlicher Konsum in normalen Mengen ist meiner Meinung nach absolut unkritisch.

 

 

Weitere Infos

(Werbung unbeaufragt, da Verlinkung)

In diesem Beitrag habe ich versucht, einen groben Überblick über die Kokosöl-Diskussion zu geben. Für weitere Informationen möchte ich euch den folgenden Artikel von Dr. Feil empfehlen: Warum Kokosöl kein Gift ist. Die wissenschaftliche Forschungsgruppe um Dr. Feil hat einen tollen Artikel verfasst und mit vielen Studien belegt. Außerdem gibt es noch eine pdf-Datei, die jede einzelne Aussage des Vortrags von Frau Michels diskutiert.

Weiterhin möchte ich euch diesen tollen Beitrag von Emilies Treats ans Herzen legen. Es geht hierbei um den Einfluss von Medien auf die Ernährung. Definitiv lesenswert!

 

 

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Quellen:

1 Szajewska, H./Szajewski, T. (2016): Saturated Fat Controversy: Importance of Systematic Reviews and Meta-analyses, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Volume 56, Issue 12, S. 1947-1951. (PubMed-Link)

2 Feranil, A. et al. (2011): Coconut oil predicts a beneficial lipid profile in pre-menopausal women in the Philippines, Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition, Volume 20, Issue 2, S. 190–19. (PubMed-Link)

3 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.) (2015): Ausgewählte Fragen und Antworten zur 2. Version der DGE-Leitlinie „Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten“, online im Internet: https://www.dge.de/index.php?id=327#ad4, Abruf vom 28.08.2018.

4 Gershuni, Victoria M. (2018): Saturated Fat: Part of a Healthy Diet, Current Nutrition Reports, Volume 7, Issue 3, S. 85–96. (PubMed-Link)

5 z.B.: Alves, N. et al. (2015): Coconut oil supplementation and physical exercise improves baroreflex sensitivity and oxidative stress in hypertensive rats, Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, Volume 40, Issue 4, S. 393-400. (PubMed-Link)

6 z.B.: Cardoso, D. et al. (2015): A coconut extra virgin oil-rich diet increases HDL cholesterol and decreases waist circumference and body mass in coronary artery disease patients, Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, Volume 40, Issue 4, S. 393-400. (PubMed-Link)

Feil, W. (2018): Ist Kokosöl gefährlich? Warum Kokosöl kein Gift ist sowie Aufklärung zu weiteren Irrtümern von Frau Prof. Michels, online im Internet: https://www.dr-feil.com/blog/allgemein/warum-kokosoel-kein-gift-ist.html, Abruf vom 03.09.2018.

Krist S. (2013): Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Springer, Wien.

 



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