Allulose – eine praktisch kalorienfreie Zuckeralternative ohne Blutzuckerwirkung, die in der Verwendung aber ähnliche Eigenschaften wie Haushaltzucker hat. Was fast zu schön klingt um wahr zu sein, könnte schon bald in Deutschland erhältlich sein. Der neuartige Zucker soll zukünftig in der EU zugelassen werden und klingt auf den ersten Blick sehr vielversprechend.

In diesem Artikel erfährst du

  • was Allulose überhaupt ist und wie sie hergestellt wird
  • wie sie im Körper wirkt bzw. verstoffwechselt wird (Blutzuckerspiegel und Verdauung)
  • welche gesundheitlichen Vorteile und evtl. auch Risiken der neue Zucker birgt und
  • wann das Produkt erhältlich sein wird und wie es verwendet wird.

Der Artikel ist auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen Standes (keine übertriebenen Aussagen, sondern belegte Fakten) und wird fortlaufend aktualisiert.

Allulose gesunde Zuckeralternative

Allulose ist ein Einfachzucker (Monosaccharid) und zählt zu den seltenen Zuckern. Genau genommen handelt es sich um D-Allulose bzw. um D-Psicose. Chemisch gesehen ist Allulose ein Epimer der Fruktose, d.h. sie hat eine ähnliche chemische Struktur wie Fruchtzucker, zählt aber als eigenständiger Zucker.

Allulose kommt natürlicherweise in geringen Mengen in Lebensmitteln vor, z.B. in Trockenfrüchten wie Rosinen.

Sie besitzt etwa 70% der Süßkraft von Haushaltszucker (Saccharose), enthält praktisch keine Kalorien und hat ähnliche Verarbeitungseigenschaften wie herkömmlicher Zucker.

Herstellung

Allulose kann in kleinen Mengen aus den entsprechenden Pflanzen gewonnen werden, in welchen sie vorkommt.

Allerdings wird sie ansonsten aus Fruktose hergestellt: Hierbei wird der Fruchtzucker mithilfe von Enzymen (sogenannten Epimerasen) zu Allulose umgebaut. Dieser Prozess ist zurzeit noch sehr aufwändig. Unter anderem ist die Enzymaktivität noch nicht sehr hoch, sodass vergleichsweise wenig Allulose aus Fruktose gewonnen werden kann. Die hohen Produktionskosten schlagen sich dementsprechend auch im Preis nieder.

Allulose neuer Zucker Ernährungswissen

Stoffwechsel und Verdauung

Um besser zu verstehen, wie Allulose im Körper wirkt und verstoffwechselt wird, sehen wir uns zunächst einmal die Wirkung auf den Blutzucker und die Prozesse im Darm bzw. bei der Verdauung an.

Allulose wird nicht im Glukosestoffwechsel metabolisiert. Sie hat also praktisch keine Blutzuckerwirkung und es kommt zu keiner Energieaufnahme (=Kalorienaufnahme). Der Glykämische Index wird mit 1 angegeben, ist also quasi nicht vorhanden.

Im Dünndarm wird Allulose nur teilweise aufgenommen (abhängig von der zugeführten Menge). Sie wird über den sogenannten GLUT-5-Transporter aufgenommen. Über diesen Transporter wird normalerweise Fruktose resorbiert, d.h. Allulose konkurriert mit Fruktose um den gleichen Transporter aus dem Darm ins Blut. Studien haben gezeigt, dass Fruktose eine höhere Affinität zum GLUT-5-Transporter zeigt. D.h. bei gleichzeitiger Fruktosezufuhr, wird weniger Allulose aufgenommen. Bei gleichzeitiger Zufuhr von Glukose wird weniger Glukose zugunsten von Allulose aufgenommen (dies könnte eine mögliche Erklärung für den anti-hyperglykämischen Effekt sein – mehr dazu weiter unten).

Über den Dünndarm aufgenommene Mengen werden über Blut und Urin wieder ausgeschieden, entfaltet also wahrscheinlich keine Wirkung im Körper. Allulose, welche im Dünndarm nicht resorbiert wurde, wandert weiter in den Dickdarm.

Dort wird sie vom Mikrobiom nur geringfügig metabolisiert, d.h sie wird teilweise zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert. Der Großteil wird allerdings einfach wieder ausgeschieden.

Aufgrund der Fermentation durch die Bakterien im Dickdarm kann es bei hohen Dosen zu Verdauungsproblemen kommen, z.B. Blähungen und Durchfall. Generell zählt der neue Zuckerersatz aber als deutlich besser verträglich als andere Zuckeralternativen mit blähender Wirkung.

Über die Aufnahme im Darm ist generell noch wenig bekannt. Viele Erkenntnisse stammen aus Tierstudien, bisher gibt es nur wenige Studien an Menschen.

Gesundheitliche Vorteile

In Tierstudien konnten anti-hyperglykämische Effekte gezeigt werden, d.h. Allulose könnte einem hohen Blutzuckerspiegel entgegen wirken. Dies könnte für Diabetiker besonders interessant werden. In Tierstudien wurden auch positive Effekte auf Diabetes Typ 2 gezeigt. Zudem konnten Blutfette reduziert werden und positive Effekte auf Übergewicht wurden beobachtet.

Hier wird es zukünftig sicherlich noch mehr Forschung geben.

Gesundheitliche Nachteile und Risiken

Hat Allulose aber vielleicht auch Nachteile? Oder Nebenwirkungen oder sogar gesundheitsgefährdende Effekte?

Zunächst einmal sind hier wie unter Verdauung genannt mögliche gastrointestinale Beschwerden zu nennen. Diese sind per se nicht gefährlich, aber natürlich unangenehm. Dennoch wurden sie bisher nur bei sehr hohen Dosen beobachtet und sind auch individuell sehr unterschiedlich.

In Tierstudien wurden auch bei hohen Dosen keine negativen Effekte gefunden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) prüft gerade, ob durch Allulose ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen könnte. Hintergrund ist, dass es in den USA in Zusammenhang mit Trehalose (einem anderen kalorienarmen Zucker) zu einem Anstieg von Infektionen mit dem hochvirulenten Keim Clostridium diffcile gekommen ist. Anhand der derzeit vorliegenden Daten ist das BfR noch zu keiner abschließenden Bewertung gekommen, ob hier ähnliche Risiken vorliegen könnten.

Allulose wie gesund Wissenschaft

Verwendung von Allulose

Allulose ist in kristalliner Form oder auch als Sirup erhältlich. Die kristalline Form ähnelt dabei optisch dem Haushaltszucker und hat auch ähnliche Eigenschaften: Sie ist farblos, hat eine ähnliche Löslichkeit, einen ähnlichen Geschmack, ein ähnliches Mundgefühl, keinen Nachgeschmack (wie manchmal bei anderen Zuckeralternativen) und ist gut haltbar.

Allulose wird in der Lebensmittelindustrie meist in Kombination mit anderen Zuckeralternativen eingesetzt. Sie kann aber auch zuhause zum Backen und Süßen allgemein verwendet werden.

Zulassung als Lebensmittel

In den USA und anderen Ländern ist Allulose bereits als Lebensmittel zugelassen.

In der EU befindet sie sich gerade im Zulassungsprozess als sogenanntes Novel Food. Erwartet wird die Zulassung in 2021, jedoch kann es hier auch zu Verzögerungen kommen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bisher noch keine Stellungnahme zur Sicherheit als neuartiges Lebensmittel veröffentlicht.

Einhergehend mit der Zulassung müssen auch die Lebensmittelkennzeichnung und die Nährwerte noch abschließend geklärt werden. Hintergrund ist unter anderem, dass es sich chemisch gesehen um einen Zucker handelt, er faktisch aber keine Blutzuckerwirkung hat. Wie soll dies also auf der Verpackung deklariert werden? Wird der Gehalt in den Nährwerten unter den Kohlenhydraten als „davon Zucker“ aufgeführt? Darf ein entsprechendes Produkt als „zuckerfrei“ gekennzeichnet werden?

Auch der Kaloriengehalt muss ggf. noch bestimmt werden. In den USA wird die Energie auf Lebensmitteln mit 0,2kcal/g angegeben (zum Vergleich: Haushaltszucker hat 4kcal/g – Allulose ist also so gut wie kalorienfrei), sicherlich wird die EFSA für die EU einen ähnlichen Wert festlegen.

Wo kann ich Allulose kaufen?

In Deutschland ist Allulose derzeit noch nicht auf dem Markt, da sie noch nicht als Lebensmittel zugelassen ist.

In den USA sind entsprechende Produkte bereits erhältlich. Der Hersteller Wholesome bietet sie beispielsweise in kristalliner Form an, der Preis liegt bei ca. 9 USD für 340g.

(Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. Du erfährst hier also auf jeden Fall, sobald es den neuen Zucker in Deutschland zu kaufen gibt).

Fazit

Ist Allulose nun also eine gesunde Alternative zu herkömmlichen Zucker?

Die aktuelle Datenlage ist vielversprechend. Die fehlende Blutzuckerwirkung und praktisch keine Kalorien sind auf jeden Fall positive Eigenschaften. Auch die Ähnlichkeit zu Haushaltzucker sprechen für den neuen Zucker. In Maßen eingesetzt könnte sich Allulose also durchaus als Zuckeralternative etablieren.

Dennoch müssen etwaige Nachteile, verträgliche Mengen und der Effekt auf die Gesundheit noch weiter untersucht werden.

(Wie immer gilt natürlich: Auch eine Zuckeralternative mit so vielen positiven Eigenschaften ist kein Freifahrschein für ungehemmten Konsum – das Verlangen nach Süßem kann sie auch nicht bremsen 🙂 Viel wichtiger sind meiner Meinung nach der maßvolle Einsatz und der bewusste Genuss).

Es bleibt also spannend, wann Allulose zugelassen wird und wie sie sich etablieren wird.

Hast du weitere Fragen zu Allulose? Stelle sie gerne in den Kommentaren!

(Übrigens findest du hier auf Dinkel & Beeren viele weitere Infos rund um Zuckeralternativen und das Thema „Zuckerfrei Leben“ )

Allulose gesunde Zuckeralternative

Quellen

Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg.). Zuckerersatz Allulose: Für eine gesundheitliche Bewertung als Lebensmittelzutat sind weitere Daten erforderlich. Stellungnahme Nr. 001/2020 des BfR vom 8. Januar 2020. doi: 10.17590/20200107-151732

Han Y, Choi BR, Kim SY, et al. Gastrointestinal Tolerance of D-Allulose in Healthy and Young Adults. A Non-Randomized Controlled Trial. Nutrients. 2018;10(12):2010. Published 2018 Dec 19. doi:10.3390/nu10122010

Jiang S, Xiao W, Zhu X, et al. Review on D-Allulose: In vivo Metabolism, Catalytic Mechanism, Engineering Strain Construction, Bio-Production Technology. Front Bioeng Biotechnol. 2020;8:26. Published 2020 Feb 3. doi:10.3389/fbioe.2020.00026

Kishida K, Martinez G, Iida T, Yamada T, Ferraris RP, Toyoda Y. d-Allulose is a substrate of glucose transporter type 5 (GLUT5) in the small intestine. Food Chem. 2019;277:604-608. doi:10.1016/j.foodchem.2018.11.003

Savanna Ingredients (Hrsg.). Allulose: Unser echter Zucker ohne Kalorien. Online im Internet, Abruf vom 06.03.2021

Tsukamoto I, Hossain A, Yamaguchi F, et al. Intestinal absorption, organ distribution, and urinary excretion of the rare sugar D-psicose. Drug Des Devel Ther. 2014;8:1955-1964. Published 2014 Oct 17. doi:10.2147/DDDT.S60247