Was passiert eigentlich mit den Kälbchen unserer Milchkühe?

Milchkühe und KälbchenIn der aktuellen Schrot & Korn (Ausgabe 12/2017) habe ich einen interessanten Artikel zum Thema Milchkühe und deren Kälbchen gelesen, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. (Falls ihr Schrot & Korn nicht kennt: Die Zeitschrift rund um bio und ökologisches Leben erscheint monatlich und liegt kostenlos in Biomärkten aus). Den Artikel könnt ihr auch hier online nachlesen.

Ich muss beschämt zugeben, dass ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht habe, was eigentlich mit den Kälbern von Milchkühen geschieht. Schließlich kennen wir doch alle spätestens seit Bauer sucht Frau die Bilder, auf denen Kälbchen in Einzelboxen mit Pulvermilch aus dem Eimer gefüttert werden. Klar, dass sie da nicht bei der Mutter sein können! Doch konnte oder wollte ich diesen Zusammenhang bisher einfach nicht herstellen – schlimm! Ein gutes Beispiel dafür, wie wenig Gedanken wir Verbraucher uns oft über die Herkunft der Lebensmittel machen.

Fakt ist: Damit Kühe kontinuierlich Milch geben, müssen sie jedes Jahr ein Kalb bekommen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es rentabler, das Kalb mit billigen Milchaustauschern zu füttern und die gute Milch der Mutterkuh an die Molkerei zu verkaufen. Deswegen werden die Kälbchen oft schon kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt und mit einem Gemisch aus Molkepulver und Öl gefütter, während die Mütter fleißig gemolken werden. Dabei produzieren Kühe mehr Milch als das Kalb trinken kann, es wäre immer noch genug für den Menschen da.

MilchNeben der fragwürdigen Ernährungsweise finde ich es ethisch gesehen äußerst problematisch, die Kälber sofort von der Mutter zu trennen! Wer sind wir denn, uns so etwas anzumaßen? Ein kleines Baby würde man schließlich auch nicht einfach der Mutter wegnehmen! Und alles nur, damit wir Verbraucher noch mehr Milch bekommen bzw. damit der Landwirt noch mehr Milch verkaufen kann. In der Schrot & Korn erzählt eine Bäuerin, wie auf ihrem Hof die Kälber von der Mutter getrennt wurden und beide tagelang herumbrüllten. Wie schrecklich!

Doch mittlerweile läuft es anders in diesem Betrieb: Die Kälber bleiben nach der Geburt bei ihrer Mutter und werden erst nach ein paar Wochen sanft und Schritt für Schritt von der Mutter entwöhnt. Die Kälbchen können vom Euter der Mutter trinken und der Rest wird ganz normal gemolken. Muttergebundene Aufzucht nennt sich das übrigens. Das ganze ist natürlich in einem gewissen Maß aufwendig, aber wie ich finde eine gute Alternativlösung. Toll, das es Landwirte gibt, die sich um so etwas Gedanken machen!

Übrigens gibt es nach EU-Öko-Verordnung keine genauen Angaben, wann die Mütter und Kälber getrennt werden dürfen. Deswegen werden auch in vielen Bio-Betrieben die Kälber wenige Tage nach der Geburt weggenommen. Allerdings müssen die Kälbchen drei Monate lang mit Kuhmilch versorgt werden, vorzugsweise von der eigenen Mutter (aber nicht zwingend). Also schon mal eine kleine Besserung gegenüber konventioneller Landwirtschaft.

In Deutschland gibt es leider nur sehr wenige Höfe, die alternative Kälberaufzucht betreiben. Bei Kuh plus Du könnt ihr eine Auflistung herunterladen (hier) und bei Provieh gibt es eine Karte der entsprechenden Betriebe (hier).Kälbchen

Ich selbst möchte mein Konsumverhalten auf jeden Fall ändern. Ganz auf Milch verzichten möchte ich nicht, dafür mag ich sie einfach viel zu gerne. Einerseits möchte ich versuchen, weniger Milch zu verwenden. Im Kaffee finde ich sie unverzichtbar, doch kann ich im morgendlichen Porridge auch gut mit veganen Alternativen leben. Außerdem möchte ich in Zukunft hauptsächlich Milch aus muttergebundener Milchviehhaltung kaufen. Wir haben das große Glück ganz in der Nähe eines wundervollen Demeter-Hofs mit eigener Milchproduktion und eben dieser Kuhhaltung zu wohnen. Deren eigene Milch schmeckt uns zwar eigentlich nicht so gut, aber das ist wahrscheinlich nur Gewöhnungssache.

Mir ist bewusst, dass dies ein heikles Thema ist. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn man u.a. aus diesem Grund als Veganer auf Milch verzichtet, großen Respekt davor! Umso wichtiger finde ich es, dass man als Nicht-Veganer verantwortungsbewusst konsumiert und sich Gedanken um die Herkunft der Lebensmittel macht. Die 100%-Lösung wird es wahrscheinlich nicht geben. Aber ich denke wir können alle durch unser Konsumverhalten zum Tierwohl beitragen.

Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinung: Achtet ihr beim Lebensmittelkauf, insbesondere bei tierischen Produkten, auf die Herkunft? Seid ihr vielleicht sogar Veganer? Auf was achtet ihr sonst noch beim Einkaufen?

 

Quellen:

Frühschütz, Leo: Mein Kalb bleibt bei mir, in: Schrot & Korn (12/2017), S. 20-27.
http://www.kuhplusdu.de/wp-content/uploads/hofliste-alternative-kaelberaufzucht.pdf
https://provieh.de/muttergebundene-kaelberaufzucht
https://www.oekolandbau.de/verbraucher/wissen/tierschutz-und-umweltschutz/tierschutz/muttergebundene-kaelberaufzucht/
Beitragsbild: https://provieh.de/muttergebundene-kaelberaufzucht

 



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